Brand zerstört die Hasenmühle...
... aber die Mühle lässt sich nicht unterkriegen! - Eine Art Blog
4. Woche: 30.01.-03.02.2012 - Ein idealer Raum für eine Tischtennisplatte
Die ersten Tage der vierten Arbeitswoche ließen sich ja noch recht gut an. Temperaturen knapp über null Grad beeindrucken einen Zimmermann offenbar wenig. Innerhalb kürzester Zeit hatte der alte Teil des Hauses einen durchgehenden Boden aus verschraubten OSB Platten und wäre nun der ideale Raum für unsere Tischtennisplatte, die seit Jahren im Keller auf ihren Einsatz wartet. In diesem alten Teil der Mühle sind die Arbeiten jetzt erst einmal abgeschlossen. Der Fokus richtet sich jetzt aufs Wohnzimmer.
Anderthalb Tage lang zerlegten die Zimmerleute den Raum sprich rissen Innendämmung und Fußboden heraus. Für uns wieder mal ein Bild des Jammers - all unsere jahrelange Arbeit wird mal eben so in einem Container entsorgt. So was tut schon weh. Der riesige Container im Hof wurde mit den ganzen Kork- und Rigipsplatten, dem verquollenen Laminat und den völlig aufgelösten Trockenestrichplatten ziemlich schnell randvoll, prompt abtransportiert und durch einen neuen leeren ersetzt. Jetzt sieht das Wohnzimmer wieder aus wie die alte Scheune, die es einmal war. Die Fußbodenheizung liegt jetzt auch frei, aber wahrscheinlich ist auch sie nicht zu erhalten. Wir wissen nicht, in wieweit das Feuer an den Wänden entlang die mit Kunststoff ummantelten Wasserrohre geschädigt hat, und überhaupt scheint unser Heizsystem mit verzinkten Blechschienen nicht mehr auf dem neuesten Stand. Das ist eine Problemstellung, die wir möglichst schnell mit unserem Heizungsfachmann erörtern müssen.
Und dann erreichte uns Sibirien...

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28.01.-29.01.2012 - Durchbruch
An diesem Wochenende ging es unserem Kamin endgültig an den Kragen. Der letzte halbe Meter der Außenmauer wurde im Wohnzimmer abgerissen, so dass die tragende Mauer darunter endlich frei gelegt war. Ein glücklicher Umstand für uns, denn die Mauer ist stark genug, um den neuen Kamin der Hasenmühle zu tragen. Die ursprünglichen Pläne sahen vor, den Kamin vom Keller heraufzumauern. Die Entdeckung der tragenden Mauer zwischen Windfang und Büro macht diese lange Strecke jetzt nicht mehr notwendig. Unser neuer Kamin muss also nur ungefähr halb so lang werden wie gedacht. Dem Windfang bleibt damit ein gemauerter Klotz in der Ecke erspart. Und ein paar Kosten dürften wir dadurch auch wieder einsparen.
Vorsichtshalber aber haben wir die Decke an der besagten Stelle ganz herausgehauen. Der alte Kamin war von uns anno dazumal mit einem Eisenträgergerüst stabilisert und gestützt worden. Das Viereck wird verschalt und mit Beton ausfgefüllt. Auf diese Betonplatte und die angrenzenden Mauer wird dann der neue Kamin gestellt werden.
Zuvor hieß es aber wieder, wie üblich, Schuttschaufeln. Bei dieser Gelegenheit haben wir dann gleich die Decke vom Windfang mit heruntergerissen, was einen Regen von Korkschrot mit sich brachte, der dort als Dämmung mal hineingeschüttet worden war. Aber wenigstens zieht Korkschrot keine Nässe an wie z.B. Rigipsplatten. Diese waren verputzt und weiß gestrichen als Deckenabschluss angeschraubt gewesen und total verschimmelt von Lösch- und Regenwasser. Die hatte auch das regenarme Jahr 2011 nicht trocknen können. Es bewahrheitete sich also mal wieder mal der Spruch, dass im Falle eines Brandes Löschwasser mehr Schaden anzurichten vermag als das Feuer selbst. Im Klartext hat man als Betroffene die Wahl zwischen Pest und Cholera.

3. Woche: 23.-27.01.2012 - Wieder Boden unter den Füßen
Im alten Teil des Hauses scheinen wir jetzt das Schlimmste überstanden zu haben. (Na ja, wer weiß, welche Überraschungen uns in unserer Naivität trotz allem noch blühen!) Jedenfalls hat der Geruch von frischem gesägtem Zimmermannsholz jetzt endlich den feuchten Brandgeruch verdrängt. Einen schöneren Duft können wir uns zur Zeit kaum vorstellen. Die Hasenmühle riecht jetzt förmlich nach Neuanfang und Optimismus!
Die Balkenlage war bereits nach wenigen Tagen über der Decke des Mühlraums eingepasst, mit Winkeleisen verschraubt an den Außenbalken und nach unten hin teils abenteuerlich abgestützt, da wir das Gefälle von sage und schreibe 30cm mit dem neuen Fußboden ausgleichen müssen. Da durch die Entkernung eine Menge Gewicht verschwunden ist, haben die tragenden Balken entsprechend befreit reagiert und sind ein ganzes Stück nach oben gewandert. Gedämmt wird der neue Fußboden von unten. Zu diesem Zweck wurden links und rechts an die Balken Leisten genagelt. Darauf kam eine zu langen Streifen gschnittene Isolierplatte. Später kommt oben drauf auf die Balken eine OSB Platte. In den Zwischenraum zwischen Isolierplatte und OSB-Bodenplatte wird dann ISO-Flock als Dämmstoff gepustet. So die Theorie.
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20.-22.01.2012 - Der Abriss nimmt kein Ende.
Während die Zimmerei Wiesel sich im alten Teil der Hasenmühle vergnügt, haben wir den benachbarten Teil jetzt genauer unter die Lupe genommen. Wir haben damit begonnen die vom Lösch- und Regenwasser durchtränkten Rigipsplatten von der Decke herunterzuholen, um herauszufinden, in welchem Zustand die Holzbalken darunter sind. Davon hängt es womöglich ab, ob der Boden dieses Teils des Hauses erhalten und übernommen werden kann oder auch herausgerissen werden muss.
Architekt Friedhelm Schultheis, der am Sonntag vorbeischaute und sich die Sache ansah, klang jedenfalls recht optimistisch. Aber entscheiden können das am Ende wohl nur Bauträger und Statiker.
Außerdem haben wir angefangen unseren baufälligen Backes im Mühlraum abzutragen. Seitdem ein Stück des Backofens durch die Feuchtigkeit heruntergestürzt ist, ist die ganze Konstruktion nicht mehr ganz geheuer. Also hat Ed von oben - die offene Decke macht's möglich - die eingebrochenen Steine herausgehievt. Jetzt kann man von außen durch das entstandene Loch in das Innere des Ofens schauen. Wir überlegen den alten Steinofen so zu konservieren und von innen her zu beleuchten. Auf diese Weise kann man gut erkennen und erklären, wie solche Öfen früher gebaut worden sind. Vielleicht ist das am Ende sogar eine kleine Bereicherung für das Mühlenmuseum.

2. Woche: 16.-18.01.2012 - Die Hasenmühle wird filetiert.
Jetzt ist eigentlich die Phase erreicht, wo Bilder mehr sagen als tausend Worte. Jeder Tag auf der Baustelle bringt Neues. Wir haben jedenfalls das Gefühl, es geht mit Riesenschritten voran. Was aber auch schlicht und einfach daran liegen kann, dass zwei gelernte Zimmerleute von berufswegen zehnmal schneller sind als Ed und ich es je könnten.
Der alte Teil der Hasenmühle sieht am Ende dieser zweiten Woche jedenfalls aus wie ein ausgeweideter Wal mit den freigelegten Deckenbalken des Mühlraums als Rippen.
Dabei haben wir eine große Enttäuschung erleben müssen, denn wider Erwarten waren die Lehmwickel in der Decke nicht getrocknet, sondern größtenteils noch feucht und auch verschimmelt. Das war ein Schlag, mit dem wir nicht gerechnet hatten. Denn das bedeutet, dass die komplette Decke des Mühlraums herausgerissen werden muss. Dadurch geht natürlich ein Großteil der historischen Atmosphäre verloren. Und ob man das ersetzen kann durch moderne Lehmwickel ist zum einen eine ästhetische und zum anderen eine Kostenfrage.
Ein weiterer Nachteil der ganzen Sache ist, dass der Mühlraum nun schon zum dritten Mal mit einen halben Meter Bauschutt bzw. vergammeltem Strohlehm bedeckt ist. Zweimal hat Günter den Mühlraum schon heldenhaft freigelegt - keine Sorge, Günter, diesmal brauchst du dich nicht zu opfern! Wir werden das zur Abwechlsung mal selbst erledigen. Walter hat wie immer mitgedacht und die gewaltige Transportschaufel des Krans vor die Mühlraumtür postiert, so dass wir abends den Schutt hineinschaufeln können und Walter den gefüllten Korb dann jeden Morgen mit dem Kran in den Container entleert.
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14.-15.01.2012 - Im Dschungelcamp
Eigentlich haben wir je gedacht, es gäbe nur eine Baustelle nämlich das Haus. Jetzt aber ist auch ein Teil des Gartens zum Abenteuerspielplatz mutiert.
Von vorneherein war klar, dass wir unseren Vogelbaum, die mächtige Silberweide links neben dem Haus kappen mussten, da sonst der Arm des Krans nicht um die erforderlichen 360 Grad schwenken kann. Also haben Walter und Fletze erstmal die Silberweide um ein paar Meter gekappt. Danach aber haben wir plötzlich gedacht, das wäre jetzt eigentlich der richtige Zeitpunkt, um die gewaltige Weide mit ihren fünf Stämmen soweit runterzusägen, dass sie bei einem zukünftigen Orkan nicht mehr aufs (zukünftige) Dach fallen kann. Gesagt, getan. Das Ergebnis aber hat uns glatt umgehauen. Der halbe Garten war nun fast mannshoch bedeckt mit Ästen, Gestrüpp, Efeu, Wildem-Wein-Geschlinge, Stümpfen vom Durchmesser eines Putzeimers. Ein wahrer Dschungel. Carmen I, II und V, unsere spanischen Hennen, waren völlig aus dem Häuschen vor Begeisterung. So stellt sich eine Henne wohl das Paradies vor. Aber genau drunter und jetzt ziemlich platt unsere Rhododendron Plantage (alle bis auf eine Azalee haben es aber einigermaßen überstanden). Um diesen Urwald wegzuhäckseln, hätten wir unseren Häcksler wohl zum Glühen gebracht und ohnehin Wochen dafür gebraucht. Also musste diesmal die radikalere Ur-und Hauruck-Methode her: Feuer.
Nichtsdestotrotz waren wir gezwungen alles klein zu schnitzeln mit Motorsäge und Astschere und zu entscheiden, was als lagerfähiges Kamin-Brennholz taugte und was nicht; eine Arbeit, die uns das gesamte Wochenende über in Anspruch nahm. Aber dafür war das Wetter wunderbar sonnig und nicht zu kalt. Und abends konnte man den anstrengenden Tag wohlig am Lagerfeuer bei -2 Grad mit einem Bier ausklingen lassen. Das hatte dann fast schon was von romantischem Abenteuerurlaub?!

1. Woche: 10.-13.01.2012 - Von fliegenden Badewannen
Die erste Woche ist vorbei und der erste Stock der Hasenmühle so gut wie entkernt: die Zwischenwände sind raus, der Estrich im ehemaligen Bad und der Rumpelkammer herausgebrochen und im Container entsorgt. Besonders effektiv erwies sich der Einsatz unserer alten Badewanne als Transportkorb für den Kran.
Übers Haus ist jetzt eine neue Plane gelegt worden, die je nach Bedarf morgens zurückgeschoben werden kann; der Kran hievt dann den ganzen Schutt aus dem Haus heraus direkt in die bereit stehenden Container. Wenn wir daran denken, dass wir das ganze Zeug über Wochen per Eimer und zu Fuß über die Treppe aus dem Haus geschafft haben... Wie leicht erledigt das alles jetzt der Kran! Und der wird auch noch genialerweise per Fernbedienung gesteuert. Wieder ein wunderbares Große-Jungs-Spielzeug!
Auf jeden Fall ist Ende der ersten Woche schon mal der ganze ehemalige Bereich von Schlafzimmer, Bad und Ex-Büro eine einzige große freie Fläche. Hier muss nur noch der Fußboden raus; auch nicht so einfach wegen den Rohren der Fußbodenheizung.

10.-11.01.2012 - Es geht los!
Walter Kühl und Fritz "Fletze" Ross heißen die zwei Zimmerleute, die die Hasenmühle mehr oder weniger im Alleingang wiederaufbauen werden. Ehrlich gesagt, hätten wir ein solches Projekt nicht unbedingt als Zweimannjob eingeschätzt, ich zumindest hätte eine ganze Brigade an werkelnden Leuten erwartet. Aber in der Ruhe und vor allem in der Erfahrung scheint die Kraft zu liegen. Die beiden sind jedenfalls so effizient, dass wir schon nach dem ersten Tag den Eindruck haben, die Mühle wird in Rekordzeit wiedererstehen. (Walters Fertigkeiten kennen wir ja schon zur Genüge vom Burgener Bühnchen her, für das er jedes Jahr die Kulissen zimmert.)
Tatsächlich ist am Ende des ersten Tages schon der Raum für die beiden monströsen Eisenträger freigelegt worden: ein meterbreiter Spalt, der sich von Ost nach West durch den alten Teil des Hauses sprich quer durchs Gästezimmer und das daneben liegende Schlafzimmer zieht. Der Fußboden des Schlafzimmers besteht jetzt nur noch aus den tragenden Balken und man kann hindurch- und hinunterschauen in den Mühlraum. Komisches Gefühl.
Und dann waren sie drin, die Eisenträger. Dummerweise haben wir den historischen Moment verpasst und darum kein Foto machen können. Bilder gibt's also nur von den fertig eingepassten Trägern.
10.01.2012 - "De Kran kütt!"
Man verzeihe mir die rheinische Ausdrucksweise, aber der Baukran wurde in den Hof geschoben und das hatte schon was von einem Prinzeneinzug im Kölner Karneval.
Großen Dank an Günter Konrad und seinen beeindruckenden Holzrück-Mega-Trecker, der von unserem Freund Hans-Jürgen Götze zurecht stets mit einem Bundeswehreinsatz im unwegsamen Ausland in Verbindung gebracht wird. Und genauso sieht das Biest auch aus. Normalerweise in den unwegsamen Wäldern des Hunsrücks zum Einsatz kommend, waren die paar Tonnen Baukran mehr oder weniger peanuts für den Giga-Trecker. Und das man dieses Monster wie ein Kinderspielzeug auch per Fernbedienung manövrieren kann, das ist wirklich unglaublich. Das ist wohl das, was man sich gemeinhin als Große-Jungs-Spielzeug vorstellt. Aber an diesem Tag waren wir dankbar, dass es so was gibt. Na gut, unsere Einfahrt ist jetzt, was die Pflanzenwald angeht, ziemlich platt - einer der beiden Zwergflieder ist regelrecht zermalmt (die Amerikaner nennen so was Kollateralschaden, ein Wort, das man wirklich nur auf Pflanzen und Gegenstände beschränken sollte), aber diese Opfer lassen sich nun wirklich locker verschmerzen.
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